Die echte Donroe-Doktrin

7. 1. 2026

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Geld hinterherjagen und Egos stärken, nicht Regimewechsel

Für Amerikaner eines bestimmten Alters ruft die Entführung von Nicolás Maduro, dem Präsidenten Venezuelas, Erinnerungen an die Invasion des Irak 2003 hervor – und das in mancher Hinsicht zu Recht.


Übersetzt aus dem Tschechischen von Uwe Ladwig


 

Fast alle sehen heute den Irak als warnendes Beispiel für die Lügen der Mächtigen: Wir wurden unter falschen Vorwänden in den Krieg hineingezogen. Fast jeder sieht den Irak auch als typisches Beispiel für die Macht des wahnhaften Denkens der Mächtigen selbst. Parolen der Zeit – "Wir werden als Befreier willkommen geheißen"; "Mission accomplished" – wird heute oft ironisch verwendet, um törichte Projekte zu bezeichnen, die zum katastrophalen Scheitern verurteilt sind. Und Donald Trumps venezolanisches Abenteuer ist eine weitere Geschichte von Lügen und Wahnvorstellungen, schreibt Paul Krugman.

In anderer Hinsicht unterscheidet sich die Geschichte von Trump und Venezuela jedoch stark von der von Bush und dem Irak.

Zwei Tage nach der Entführung ist klar, dass Trump keinen Regimewechsel angestrebte, zumindest nicht im grundlegenden Sinne. Er ist eher wie ein Mafiaboss, der versucht, sein Territorium zu erweitern und glaubt, dass er, wenn er einen Rivalen eliminiert, seine ehemaligen Untergebenen dazu zwingen kann, ihm einen Anteil an ihren Erlösen zu geben.

Wenn das grausam klingt, bedenken Sie, dass Maduro und seine Mitstreiter aus der Chavistas-Bewegung – einer von Hugo Chávez gegründeten Bewegung – auf starken Widerstand von inländischen pro-demokratischen Kräften unter der Führung von María Corina Machado stießen. Edmundo González, ein Verbündeter von Machado, gewann klar die venezolanischen Wahlen 2024, doch Maduro stahl sie ihm. Wenn Trump also einen Regimewechsel wollte, würde er Machado und ihre Bewegung unterstützen.

Doch auf seiner triumphalen Pressekonferenz am Samstag wies Trump Machado verächtlich ab und erklärte, dass es für sie wäre sehr schwierig, eine Führungspersönlichkeit zu sein, sie hat keine Unterstützung. Sie wir nicht respektiert."

Stattdessen schien er bereit Maduros Stellvertreterin Delcy Rodriguez zu unterstützen, was darauf hindeutete, dass sie bereit sei, mit seinen Plänen zu kooperieren. Während und nach der Pressekonferenz erklärte Trump wiederholt, er „regiere“ Venezuela bereits.

Rodriguez machte ihn jedoch innerhalb weniger Stunden lächerlich: Später an diesem Tag verurteilten sie und andere führende Mitglieder von Maduros Regierung die US-Aktionen und erklärten im Fernsehen, Maduro sei weiterhin der Präsident Venezuelas.

Ups. Am Sonntag drohte Trump damit, Rodriguez für ihren Ungehorsam zu bestrafen.

Wie konnte Trump die Situation so schlecht einschätzen? Trump hat sich mit Speichelleckern wie Pete Hegseth umgeben, der ihn wiederholt als "den größten Präsidenten meines Lebens" bezeichnet hat. Er lebt in einer Fantasiewelt, in der er sich selbst verherrlicht – in einer Welt, in der er 64% Unterstützung hat und Kandidat für den Friedensnobelpreis ist..

Die Washington Post berichtet, dass Trump sich gegen Machado wandte, weil sie "die größte Sünde" beging, als sie den echten Nobelpreis entgegennahm.

Im Zentrum von Trumps Fantasie liegt die Vorstellung, dass er wirklich die Person ist, die er in The Apprentice spielte.

Angesichts von Trumps Überzeugung, dass er immer alle anderen überlisten, einschüchtern und täuschen kann, ist leicht nachzuvollziehen, warum er einige seiner versöhnlichen Gespräche mit Rodriguez als Signal interpretierte, dass sie seine gehorsame Marionette sein würde.

Trumps Wahrnehmung von sich selbst als perfekter Verhandler erklärt, warum er so bereitwillig glaubte, er kontrolliere Venezuela. Es erklärt auch seine Behauptung, dass er durch die Kontrolle Venezuelas einen wertvoller Preis in Form seines Öls gewonnen habe. "Das Land wird uns enormen Reichtum bringen." Viele von Trumps Kritikern teilen seine Ansicht, dass venezolanisches Öl großes Geld einbringen kann, und verurteilen seinen Eingriff als Versuch, dieses Geld zu stehlen.

Aber wissen Sie, wer nicht glaubt, dass man in Venezuela viel Geld verdienen kann? Die Ölgesellschaften. Sie sehen eine verfallene Infrastruktur, deren Reparatur Milliarden kosten würde. Sie sehen kein stabiles politisches Umfeld im dem Land. Und obwohl Venezuela große Ölreserven hat, ist der Großteil seines Öls "besonders schwer, was es verunreinigend und aufwändig in der Verarbeitung macht."

Warum ließ Trump also Maduro entführen? Gewiss gab es mehrere Motive. Ihre Rolle spielten Fantasien von Dominanz und Kontrolle sowie Träume von ölgetränktem Reichtum. Sein Ego auch. Die Entführung gab Trump die Gelegenheit, anzugeben und seinen Neid auf Obama zu besänftigen: Trumps Handlanger richteten einen "Kriegsraum" in Mar-a-Lago ein, der aussieht, als sei so vorgeschlagen, um ihm zu ermöglichen, das berühmtes Foto na hzustellen, auf dem Obama und seine Beamten die Tötung von Osama bin Laden beobachten.

Obamas Team hatte jedoch nicht X/Twitter hinter sich auf dem Bildschirm.

Trump hoffte sicherlich auch, dass die Entführung Maduros ihm politisch helfen würde. Die Entführung verdrängt Epsteins Schriften für mehrere Tage von den Titelseiten der Zeitungen. Und Trump versucht definitiv, die Aufmerksamkeit abzulenken und seine Popularität zu steigern, während die Nation sich um die Flagge vereint. Es ist jedoch fast sicher, dass er enttäuscht wird. Vor der Entführung haben die Amerikaner mit überwiegender Mehrheit militärische Aktionen in Venezuela abgelehnt. Die ersten Meinungsumfragen seit der Entführung bleiben sehr ungünstig.

Beachten Sie, dass dreimal mehr unabhängige Wähler es stark ablehnen, dass die USA in Venezuela regieren, als diejenigen, die es stark unterstützen. Und diese Zahlen werden sich verschärfen, wenn die Öffentlichkeit erkennt, wie wenig erreicht wurde.

In jedem Fall ist es wichtig zu verstehen, dass die Konfrontation mit Venezuela nichts mit dem nationalen Interesse zu tun hat. Es geht einfach Trumps egozentrische Wahnvorstellungen. Und es wird nichts weiter erreichen, als dass Amerika noch weniger glaubwürdig und schwächer erscheinen als zuvor.


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Obsah vydání | 8. 1. 2026