Von Jakarta bis Manila wendet sich Südostasien an Russland, um durch den Krieg im Iran verursachte Lieferlücken für Treibstoff und Dünger zu schließen
30. 4. 2026
Südostasien, das stark vom Nahen Osten für Energie und Düngemittel abhängig ist, ist verzweifelt darauf bedacht, große Versorgungslücken zu schließen.
Die Europäische Union hat die südostasiatischen Länder gewarnt und sie aufgefordert, sich zur Bewältigung des weit verbreiteten Treibstoffmangel durch den Konflikt im Nahen Osten mit der Bitte um Öllieferungen an Russland zu wenden.
Übersetzt aus dem Tschechischen von Uwe Ladwig
Nach dem dienstäglichen Treffen mit den Außenministern der Union Südostasiatischer Nationen (ASEAN) in Brunei forderte die EU-Außenpolitikchefin Kaja Kallas die Region auf, die Lage "aus einer breiteren Perspektive" zu betrachten, da der Kauf russischen Öls dem Land ermöglichen würde, seinen Krieg in der Ukraine fortzusetzen.
In der gesamten Region, die im Bereich Energie und Düngemittel stark auf den Nahen Osten angewiesen ist, scheint es aber, dass diese Warnungen nicht auf fruchtbaren Boden zu fallen, da die Länder um Abkommen mit Moskau wetteifern.
Indonesien kündigte letzte Woche an, bis zu 150 Millionen Barrel russisches Öl zu importieren, nachdem Präsident Prabowo Subianto Wladimir Putin in Moskau getroffen hatte. Die Philippinen, ein US-Verbündeter, erhielten im März ihre erste Lieferung russisches Öl seit fünf Jahren. Thailand führt angeblich Gespräche mit Russland über den Kauf von Düngemitteln, während Vietnam vor dem Krieg ein Abkommen mit Russland zum Bau eines Kernkraftwerks unterzeichnete, das nun immer dringlicher wird.
Für Russland brachte die Krise bereits unerwartete Gewinne. Steigende Energiepreise und eine den Ländern erlaubende Ausnahme, vorübergehend sanktioniertes russisches Öl offshore zu kaufen, haben ihm Milliarden von Dollar Gewinne eingebracht und die Behauptungen unterstützt, dass westliche Versuche der internationalen Isolierung Russland gescheitert sind.
Die Flut von Abkommen hat auch Fragen darüber aufgeworfen, ob der Konflikt im Nahen Osten Russland die Möglichkeit bieten könnte, seine Beziehungen in Südostasien zu vertiefen.
Von Jakarta bis Hanoi deuten Meinungsumfragen darauf hin, dass Russland und seine Führer allgemein positiv bewertet werden. Umfragen deuten darauf hin, dass Russlands Invasion der Ukraine im Jahr 2022 nur begrenzte Auswirkungen auf die öffentliche Meinung hatte. Eine von The Economist veröffentlicht Umfrage aus dem Jahr 2024 ergab, dass in zwei Ländern der Region – Indonesien und Vietnam – mehr als 50 % der Befragten wollten, dass Russland den Krieg gewinnt. Eine Umfrage des Pew Research Center aus dem Jahr 2025 ergab, dass 64 % der Indonesier eine positive Meinung von Russland haben, während es für die USA 48 % waren.
"Putin wird als starker Mann, der sich dem Westen gestellt hat und als Verteidiger traditioneller Werte angesehen. Dieses machohafte Image stößt in vielen Ländern der Region auf große Resonanz", sagte Ian Storey vom in Singapur ansässigen ISEAS-Yusof Ishak Institut, der sich mit der Verschiebung des Kremls hin zur Region beschäftigte.
Russland hat langjährige Verbindungen zu kommunistisch regierten Ländern wie Vietnam und Laos. Es wird auch als muslimfreundliches Land angesehen, da es Palästina unterstützt, sagte Storey, der hinzufügte, dass die Tschetschenienkriege und die sowjetische Invasion Afghanistans weitgehend in Vergessenheit geraten seien.
Analysten argumentieren jedoch, angesichts der Tatsache, dass Russlan nicht denselben wirtschaftlichen und militärischen Einfluss wie die USA und China hat, seine Fähigkeit, seinen Einfluss in der Region auszuweiten, seine Grenzen hat.
Russlands zunehmende Abhängigkeit von China könnte einige Länder, die maritime Streitigkeiten mit China haben, zum Nachdenken bringen, besonders wenn es um Militäraufträge geht.
Die US-Entscheidung, die Sanktionen gegen russische Öllieferungen auszusetzen, wurde im März getroffen, um das Angebot auf dem Weltmarkt zu erhöhen. Die Ausnahme wurde Mitte April um 30 Tage verlängert, nachdem Druck auf Washington seitens asiatischer Länder wie den Philippinen und Indien ausgeübt wurde. Die Frage, ob die USA sich entscheiden, die Ausnahme erneut verlängern, könnte das Interesse vieler asiatischer Länder an weiteren Kauf russischen Öls beeinflussen.
Kernenergie ist jedoch ein Bereich, in dem Russland auf einen Durchbruch hoffen könnte.
"Diese Krise hat die Länder gezwungen, ihre Beziehungen zu anderen Ländern zu überdenken und eine neue Struktur zu schaffen. Sie werden sich mit Fragen der Energiesouveränität, der Diversifizierung und erneuerbarer Energien befassen", sagte Storey.
Russland, ein bedeutender Akteur in der globalen Nuklearindustrie, hat bereits Verträge mit Myanmar und Vietnam bei der Lieferung von Kernenergie unterschrieben. Um diese Partnerschaften konkurrieren allerdings auch andere Länder mit Moskau.
Letztlich habe der Krieg im Nahen Osten Russland die Möglichkeit gegeben, sich "als verlässlicher und stabiler Partner für Südostasien zu präsentieren, insbesondere in Bezug auf Ernährungs- und Energiesicherheit", sagte Storey.
Die jüngsten Energieabkommen haben für beide Seiten symbolische Bedeutung. Für Indonesien unterstreichen diese Abkommen die Politik der Nichtteilnahme. "Indonesien möchte, dass Moskau seinen Status bestätigt und der westlichen Welt und den USA ein Signal sendet, dass es ihren Anweisungen nicht folgen wird", sagte Professor Leszek Buszynski vom Centre for Strategic and Defence Studies der Australian National University.
Sie dient auch dazu, inländische Kritik an Politiken zu widerlegen, die sich stärker den USA zuneigen, einschließlich der umstrittener Entscheidung Präsident Prabows, Trumps Friedensrat beizutreten.
Russland wiederum schätzt Indonesiens Stimme in internationalen Foren – wie den UN, der G20 und den BRICS –, wo es die Behauptung unterstützt, der Krieg in der Ukraine sei ein "Problem der westlichen Welt", u.s.w.
Im Juni wird in Kasan ein gemeinsamer jährlicher Gipfel zwischen Russland und ASEAN anlässlich des 35. Jahrestags der Aufnahme der Beziehungen stattfinden. Selbst wenn es kein substanzielles Abkommen gibt, fügt Storey hinzu, werde es beweisen, dass Russland noch Freunde im Ausland hat: "Es ist im Grunde eine riesige Gelegenheit für Putin, sich fotografieren zu lassen."
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